Die ISO-Working-Group zur neuen Kettenschuss-Norm tagte bei der KRD Gruppe in Geesthacht - Kettenschuss im Griff

Geesthacht/Bardowick: Spannender Besuch in Geesthacht: Die Working Group Nr. 8 des ISO Technical Committees zur Entwicklung der lange erwarteten „Kettenschuss-Norm“ tagte am 17. und 18. September bei der KRD Sicherheitstechnik GmbH in Geesthacht. Die rund 20-köpfige Expertengruppe, in der unter anderem Hersteller von Sicherheits-Verscheibungen und Forstmaschinen sowie Vertreter von einschlägigen Berufsverbänden und Testinstituten vor Ort präsent waren – weitere Fachleute aus aller Welt waren über eine Datenleitung zugeschaltet –, diskutierten in hoher Einvernehmlichkeit rund 100 Kommentare zum bisherigen Normentwurf. Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung einer allgemein gültigen ISO-Norm getan, die in den kommenden Jahren den Umgang mit der gefürchteten Kettenschuss-Problematik regeln wird. Wirksame technische Lösungen gibt es aber schon heute.

OPS-Test bietet keine Sicherheit

„Ich war sehr angetan von der konstruktiven Atmosphäre des Meetings bei uns in Geesthacht“, sagt Dr. Jürgen Schmitz, Leiter des KRD-Konformitätsmanagements, der die erfolgreiche Sitzung organisiert hat. „Man konnte spüren, dass alle Beteiligten den Ernst der Problematik erfasst haben und nach einer Lösung suchen, die den Forstarbeiter in seiner Harvester-Kabine wirksam vor der Kettenschuss-Gefahr schützt“.
Die Problematik ist im Prinzip seit langem bekannt: Scharfkantige Harvester-Kettenglieder können im Falle eines Kettenrisses mit dem Tempo einer Pistolenkugel durch die Luft peitschen – und dabei Glas und womöglich sogar Stahl durchschlagen. Gründe für Kettenrisse gibt es viele, aber bislang kaum Schutz für den Harvesterpiloten. „Bei viel zu vielen Verantwortlichen herrscht der Glaube vor, dass eine Scheibe, die die Anforderungen des bekannten OPS-Tests erfüllt, auch Kettenschuss-sicher ist“, erläutert Jochen Lanio, Sicherheits-Experte und Key Account Manager bei KRD. „Das ist aber nicht der Fall. Schnell fliegende Kettenzähne sind in der aktuellen OPS-Norm DIN ISO 8084 sogar explizit ausgeschlossen.“ Diese Lücke soll daher bald die ISO/AWI 21876 füllen, deren Details derzeit diskutiert werden – vorläufige Bezeichnung: Machinery for Forestry – Sawchain-Shot-Protective-Windows.


Verbundscheiben sind die Lösung – und bereits auf dem Markt

Begleitet wurde die Tagung von einer Fallversuchs-Demonstration in Anlehnung an die deutsche Technische Richtlinie Schutzglas für Polizeifahrzeuge. „Nach vielen Tests wissen wir, dass Sicherheit vor Kettenschüssen letztlich nur durch mehrlagige Polycarbonat-Verbundscheiben gewährleistet werden kann“, erläutert Jochen Lanio: Die immer noch weit verbreiteten Monoscheiben halten schon geringeren Herausforderungen nicht mehr stand. Dies zeigte auch der Fallversuch, bei dem ein rund 20 kg schwerer, spitzer Probekörper aus neun Metern Höhe frei auf Kunststoff-Sicherheitsscheiben fallen gelassen wird – eine gute Methode, um den Aufprall etwa schwerer Äste auf Kabinenscheiben zu simulieren.

Resultat: Eine vergleichsweise einfache, 12 Millimeter dicke Polycarbonat-Monoscheibe, die bei mehreren renommierten Harvester-Anbieter im Einsatz ist, hielt zwar einen Schlag auf ihre Mitte aus, ging aber sofort zu Bruch, wenn dieser auf den Scheibenrand erfolgte, wo sie in der Praxis nicht mehr flexibel genug ist. Eine mit 13,2 Millimetern Stärke vergleichbar dicke Verbundscheibe von KRD dagegen überstand auch die Belastung im Randbereich – sogar nach zweimaligem Aufprall auf dieselbe Stelle. Und das, obwohl sie obendrein bessere optische Eigenschaften aufwies als ähnlich starke Monoscheiben, also im Einsatz deutlich weniger Schlieren und Verzerrungen zeigte. Und selbst diese Scheibe wurde bei KRD inzwischen weiterentwickelt. „Mittlerweile haben wir Verbundscheiben im Programm, die nicht nur Ästen, sondern sogar messerscharfe Sägekettenglieder sicher aufhalten“, so Lanio.

Die in Geesthacht bearbeitete Fassung der „Kettenschuss-Norm“ steht nun wieder einige Monate zur Diskussion, bevor sie voraussichtlich im Frühjahr des kommenden Jahres in einem weiteren Meeting abschließend diskutiert und an die International Organization for Standardization (ISO) zur Annahme weitergeleitet wird. „Wirksame technische Lösungen, die vor Kettenschuss schützen, gibt es aber schon jetzt“, so Lanio weiter. „Wer seiner Verantwortung heute schon gerecht werden will, kann bereits auf erprobte Lösungen zurückgreifen.“

kettenschuss im griff thumb

Information-Download

Zur weiteren Information über unsere Produkte stellen wir Ihnen gern unser umfangreiches Prospektmaterial zur Verfügung.
In unserem Datenarchiv sind alle Druckstücke in der aktuellsten Version als PDF hinterlegt.
Bitte senden Sie uns mit dem nebenstehenden Formular Ihre Kontaktdaten.
Sie erhalten dann umgehend von uns einen Zugangscode zum geschützten Downloadbereich.

Vielen Dank.